Stoff reicht nicht: anders falten, teilen oder stückeln
Reicht der Stoff nicht, liegt es oft an der Zuschnittlage und nicht am Schnitt. Ein T-Shirt, das einmal längs gefaltet 1,42 m braucht, kommt mit einer Rückennaht mit 1,00 m aus und offen in einer Lage mit 0,75 m. Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus berechneten Zuschneideplänen für zwei offene FreeSewing-Schnitte auf 140 und 150 cm breitem Stoff. Du kannst sie herunterladen und nachrechnen.
Zuerst prüfen: Kann es überhaupt passen?
Miss den Rest so, wie du ihn zuschneiden würdest: nutzbare Breite ohne Webkanten und Länge nach dem Vorwaschen. Zähle dann alle Teile, auch Ärmel, Belege und Streifen.
Die Fläche gibt eine untere Grenze. Alle Teile des T-Shirts aus dem Beispiel haben zusammen 0,83 m². Auf 138 cm nutzbarer Breite sind das mindestens 60 cm Länge, selbst wenn die Teile lückenlos lägen. Ein Rest von 50 cm reicht also nicht, egal wie du legst.
Genug Fläche beweist umgekehrt noch nichts. Ein Teil kann zu breit sein, oder der Fadenlauf verbietet die Lage, die rechnerisch passen würde. Reicht die Fläche, lohnt sich ein anderer Zuschnitt. Die Abschnitte unten zeigen, was jede Änderung an zwei echten Schnitten bringt.
Das Beispiel
Das T-Shirt ist Teagan von FreeSewing, das Sweatshirt Sven. Beide hat Joost De Cock entworfen und programmiert, beide sind quelloffen unter MIT-Lizenz. FreeSewing empfiehlt für Teagan Jersey und plant rund 1 m Stoff ein, für Sven Sweatstoff und rund 1,75 m.
Ich habe die Schnitte mit FreeSewing 4.10.2 und 10 mm Nahtzugabe exportiert: Teagan mit FreeSewings Beispielmaßen "cisFemaleAdult36" (Brustumfang 97,9 cm), Sven mit "cisMaleAdult42" (Brustumfang 110,5 cm). Zum T-Shirt gehört laut FreeSewing ein 6 cm breiter Halsstreifen, so lang wie der Halsausschnitt. Der Halsausschnitt misst hier gut 57 cm, gerechnet ist der Streifen mit 58 cm, quer zum Stoff zugeschnitten, damit er sich dehnt. Die Bündchen des Sweatshirts kommen aus Bündchenware und sind nicht mitgerechnet.
Gerechnet ist mit 1 cm Rand an den Webkanten und 1 cm Abstand zwischen den Teilen. Ich entwickle PatternNest, mit dem die Pläne berechnet sind. Der Artikel steht in keiner Verbindung zu FreeSewing.
Die Zahlen auf einen Blick
T-Shirt Teagan, Jersey:
| Zuschnitt | 140 cm breit | 150 cm breit |
|---|---|---|
| Einmal längs gefaltet, Vorder- und Rückenteil im Bruch | 1,42 m | 1,42 m |
| dasselbe, Ärmel aus einem anderen Stoff | 1,34 m | 1,34 m |
| Rückenteil mit Mittelnaht | 1,00 m | 1,00 m |
| Rückenteil mit Mittelnaht, Halsstreifen aus zwei Stücken | 0,92 m | 0,92 m |
| Rückenteil mit Mittelnaht, Ärmel aus einem anderen Stoff | 0,76 m | 0,76 m |
| Zwei Brüche: ganze Teile aufrecht nebeneinander | 0,94 m | 0,94 m |
| Eine Lage, Teile im Bruch aufgeklappt, alle aufrecht | 0,94 m | 0,82 m |
| Eine Lage, Teile im Bruch aufgeklappt, gedreht erlaubt | 0,86 m | 0,75 m |
Sweatshirt Sven, Sweatstoff:
| Zuschnitt | 140 cm breit | 150 cm breit |
|---|---|---|
| Einmal längs gefaltet, Vorder- und Rückenteil im Bruch | 1,88 m | 1,71 m |
| dasselbe, Ärmel aus einem anderen Stoff | 1,45 m | 1,45 m |
| Rückenteil mit Mittelnaht | 1,35 m | 1,35 m |
| Eine Lage, Teile im Bruch aufgeklappt | 1,36 m | 1,36 m |
Anders falten: zwei Brüche statt einem
Üblich ist der Stoff einmal längs gefaltet, Webkante auf Webkante. Vorder- und Rückenteil liegen dann am selben Bruch, also hintereinander. Beim T-Shirt sind das zweimal 65 cm plus der Halsstreifen: 1,42 m, auf 140 wie auf 150 cm. FreeSewings rund 1 m reichen so nicht.
Schlägst du stattdessen beide Webkanten zur Mitte ein, gerade so weit, dass jedes Teil an einem eigenen Bruch liegt, kommen Vorder- und Rückenteil nebeneinander. Ganz aufgeklappt ist jedes 58 cm breit, mit Abstand zusammen 117 cm. Das passt auf 140 und 150 cm. Ärmel und Halsstreifen schneidest du in einer eigenen Reihe einlagig zu, den zweiten Ärmel gegengleich.
So liegen alle Teile aufrecht, und das T-Shirt braucht 0,94 m statt 1,42 m. Beim Sweatshirt sind es mit ganzen Teilen 1,38 m statt 1,88 m auf 140 cm und statt 1,71 m auf 150 cm.
Ganz offen in einer Lage geht es noch kürzer. Alle Teile aufrecht brauchen auf 150 cm 0,82 m, auf 140 cm 0,94 m. Darf bei Jersey ohne Motivrichtung jedes Teil auch um 180 Grad gedreht liegen, passen die Ärmel zwischen Vorder- und Rückenteil und der Halsstreifen daneben: 0,75 m auf 150 cm, 0,86 m auf 140 cm. Beim Sweatshirt sind es in einer Lage 1,36 m auf beiden Breiten.
Zwei Brüche kann PatternNest nicht als Faltung rechnen. Aufgeklappt ist ein Zuschnitt mit zwei Brüchen aber eine einzelne Lage mit ganzen Teilen, und die rechnet PatternNest. Wählst du „Eine Lage“, klappt es Teile im Bruch selbst zum ganzen Teil auf, du musst nichts im Zeichenprogramm spiegeln. Rechnest du mit „Längs gefaltet · 2 Lagen“, prüft PatternNest die eine Lage mit und nimmt sie mit Hinweis, wenn sie weniger Stoff braucht. Die gefaltete Länge steht dann im Hinweis, und mit „Lieber gefaltet zuschneiden“ holst du den gefalteten Plan zurück.
Teilen: Rückenteil mit Mittelnaht
Teilst du das Rückenteil in der hinteren Mitte, braucht es keinen Bruch mehr. An der Mittellinie gibst du 1 cm Nahtzugabe zu und schneidest zwei gegengleiche Hälften durch beide Lagen. Sie passen auf dem gefalteten Stoff neben das Vorderteil, das am Bruch bleibt.
Beim T-Shirt sinkt die Länge von 1,42 m auf 1,00 m. Beim Sweatshirt von 1,88 m auf 1,35 m auf 140 cm und von 1,71 m auf 1,35 m auf 150 cm. Beim Sweatshirt ist das der größte einzelne Hebel, sogar etwas kürzer als ganze Teile in einer Lage. Beim T-Shirt kommt die Rückennaht mit 1,00 m nah an zwei Brüche (0,94 m), ganz in einer Lage sind es 0,75 m.
Eine Naht in der hinteren Mitte ist bei Shirts und Pullis eine gängige Lösung für knappe Reste. Bei Streifen und großen Mustern musst du sie an der Naht abgleichen. Das kostet zusätzlichen Stoff, den diese Pläne nicht enthalten.
Stückeln und Teile aus einem anderen Stoff
Mit Rückennaht braucht der 58 cm lange Halsstreifen beim T-Shirt eine eigene Reihe quer über den Stoff. Setzt du ihn aus zwei Stücken zusammen, je 30 cm lang mit 1 cm Zugabe an der Ansatzstelle, passen beide in Lücken: 0,92 m statt 1,00 m. Die Naht legst du in die hintere Mitte. Schneidest du den Streifen aus Bündchenware, ergibt sich dieselbe Länge.
Ärmel aus einem anderen Stoff lohnen sich, wenn sie eine eigene Reihe belegen. Mit Rückennaht braucht das T-Shirt dann 0,76 m statt 1,00 m. Ohne Rückennaht spart es nur 8 cm, weil die Ärmel dort neben Vorder- und Rückenteil liegen. Beim Sweatshirt kommst du ohne Ärmel auf 1,45 m, mit Ärmeln und Rückennaht auf 1,35 m.
Belege, Taschenbeutel und Innenteile müssen oft nicht aus dem Oberstoff sein. Prüfe, welche Teile man am fertigen Stück sieht, und rechne die anderen getrennt.
Drehen: wenig auf breitem Stoff, viel auf schmalem
Darf ein Teil um 180 Grad gedreht liegen, greifen Rundungen manchmal ineinander. Auf 140 und 150 cm bringt das in den gefalteten Plänen dieser Schnitte höchstens 2 cm: Mit Rückennaht braucht das T-Shirt 1,00 m, wenn Teile gedreht liegen dürfen, und 1,02 m, wenn alle in dieselbe Richtung zeigen müssen. Beim Zuschnitt mit beiden Teilen im Bruch ändert es nichts. Anders bei ganzen Teilen in einer Lage: Dort spart Drehen auf 150 cm 7 cm und auf 140 cm 8 cm.
Auf einem 110 cm breiten Rest sieht das anders aus. Gefaltet bleiben dort 54 cm, Vorderteil und Rückenhälfte brauchen zusammen gut 60 cm und passen nicht mehr nebeneinander. Das T-Shirt braucht mit Rückennaht 1,23 m, wenn Teile gedreht liegen dürfen, und 1,42 m, wenn nicht. Mit beiden Teilen im Bruch sind es 1,54 m. Ob du drehen darfst, entscheidet der Stoff: Jersey ohne Motivrichtung meist ja, Samt, Nicki, Cord und Motive mit Richtung nein. Mehr dazu im Ratgeber zu Stoff mit Strich.
Quer legen, also um 90 Grad drehen, ist bei Jersey keine Lösung. Die Weite und der Halsstreifen brauchen die Dehnung quer zum Stoff. Bei Webware verschiebt es den Fadenlauf, das Teil fällt danach anders.
Mit deinen Teilen nachrechnen
- Exportiere die Schnittteile als SVG, DXF oder Vektor-PDF mit Nahtzugabe und lade sie in PatternNest.
- Wähle für Teile im Bruch die Faltkante, setze gegengleiche Teile auf „Als Paar zuschneiden (gegengleich)“ und wähle die Richtung: „Winkel halten (0/180°)“ oder „Einbahn (Nap)“.
- Rechne zuerst den üblichen Zuschnitt mit der Stofflage „Längs gefaltet · 2 Lagen“ und notiere die Länge über dem Plan.
- Ändere dann jeweils eine Sache und rechne neu: das Rückenteil als halbes Teil mit Zugabe an der Mitte und als Paar, ein Teil weniger, das aus einem anderen Stoff kommt, oder die Stofflage „Eine Lage“, in der PatternNest Teile im Bruch selbst aufklappt.
- Vergleiche die Längen mit deinem Rest und prüfe den Plan, bevor du schneidest. PatternNest fügt keine Nahtzugaben hinzu. Die Zugabe an einer neuen Mittelnaht zeichnest du selbst an.
Herunterladen und nachrechnen
Die .pnest-Dateien enthalten Teile und Einstellungen. Öffne sie in PatternNest mit „.pnest öffnen“ und klicke auf „Plan berechnen“. Die SVG-Dateien sind die Zuschneidepläne im Maßstab 1:1, so wie PatternNest sie exportiert. Die gefalteten Projekte zeigen in PatternNest inzwischen oft einen kürzeren Plan in einer Lage, die gefaltete Länge aus der Tabelle steht dann im Hinweis.
- T-Shirt, beide Teile im Bruch, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt, beide Teile im Bruch, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt mit Rückennaht, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt mit Rückennaht, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt mit Rückennaht, Halsstreifen aus zwei Stücken, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt mit Rückennaht, Halsstreifen aus zwei Stücken, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt, ganze Teile aufrecht in einer Lage, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt, ganze Teile aufrecht in einer Lage, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt in einer Lage, Teile im Bruch aufgeklappt, 150 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt in einer Lage, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- Sweatshirt in einer Lage, Teile im Bruch aufgeklappt, 150 cm: Projekt (.pnest)
- Sweatshirt in einer Lage, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- T-Shirt mit Rückennaht, Rest 110 cm: Projekt (.pnest)
- T-Shirt mit Rückennaht, Rest 110 cm: Zuschneideplan (SVG)
- Sweatshirt, beide Teile im Bruch, 150 cm: Projekt (.pnest)
- Sweatshirt, beide Teile im Bruch, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- Sweatshirt mit Rückennaht, 150 cm: Projekt (.pnest)
- Sweatshirt mit Rückennaht, 150 cm: Zuschneideplan (SVG)
- Sweatshirt mit Rückennaht, 140 cm: Projekt (.pnest)
- Sweatshirt mit Rückennaht, 140 cm: Zuschneideplan (SVG)
- FreeSewing-MIT-Lizenz
Weiterlesen
Wie viel ein Stoff mit Strich zusätzlich braucht, zeigt der Ratgeber Stoff mit Strich. Für Kapuzenpullis gibt es den Ratgeber zum Stoffverbrauch für einen Hoodie, für Umhänge mit Kapuze den Umhang-Ratgeber. Was eine Stofftabelle leisten kann und was nicht, steht unter Stoffverbrauch planen mit Tabelle und Auslegeprobe.
Wie du Schnittteile ohne Werkzeug auflegst und den Plan auf deine Breite bringst, steht in Schnittteile auflegen. Für Mantel und Jacke: Stoffverbrauch für Mantel und Jacke.
Quellenangaben
FreeSewing Teagan und Sven: Entwurf und Code Joost De Cock, MIT-Lizenz. Layoutberechnung und Artikel: Cayan / Madegrain.